Opfer seines Erfolgs: BMW 740d xDrive

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Oberklasselimousinen. Ausdruck von Erfolg, Reichtum und Souveränität. Statussymbol? Durchaus.


Unter Politikern stehen Audi A8 und BMW 7er hoch im Kurs. “Das ist nicht so anmaßend elitär wie eine S-Klasse und damit viel näher am Volk.” Wer sich also bewusst vom Fußvolk abgrenzen will fährt MB S600. So wie Stefan Mappus lange Zeit S600 fuhr. Was er heute fährt wissen wir nicht, vielleicht Bus & Bahn?
A8 und 7er trennen in der jeweiligen Einstiegsversion und nackt ohne Sonderausstattungen 4.000EUR. Die S-Klasse reiht sich – überraschenderweise – mit 71.876EUR zwischen den beiden ein und ist damit zumindest preislich näher am deutschen Michel als der 7er. Apropos: Philipp Rösler fährt VW Phaeton. Jaguar XJ oder Lexus LS wird von keinem bekannten Politiker gefahren, was sehr schade ist. Das Medienecho wäre sicher sehr belustigend.

Der BMW 7er (Baureihe F01) ist nun über vier Jahre alt. Nach vier Jahren ist die anfängliche Euphorie, die jedes neue Automobil umhüllt, endgültig verpufft. Der BMW 7er hat sich etabliert, jeder hat sich an das Auto im Straßenbild gewöhnt und keiner verdreht sich mehr der Kopf danach. Der ideale Zeitpunkt also um dem Auto mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen.

Zur Verfügung gestellt wurde uns ein BMW 740d xDrive mit Vollausstattung. Diese Motorisierung war nicht von Anfang an verfügbar, sondern wurde nachträglich eingeführt. 306 Diesel-PS, 8-Gang-Automatik, 6 (sechs!) Zylinder, 600nm (so viel wie im 750i), 6 Sekunden auf 100 km/h, 250km/h Höchstgeschwindigkeit wie üblich mit elektronischem Riegel und ein Normverbrauch von 6,9l/100km. Also das, was man von einem Vorstandswagen erwartet.

Schöner Vergleich: Das sind etwa 2,5 Liter mehr als sich der VW Up! im Normzyklus gönnt. Das eine ist ein Microcar für zwei Personen und zwei Kinder mit unverkleideten Türen und einem Handschuhfach im Heck, das andere eine Oberklasselimousine.
Der 740d ist in jeder Hinsicht souverän. Bereits im Stand vermittelt er Dynamik pur. Damit ist nicht das Design gemeint, denn das gefällt dem einen mehr als dem anderen. Gemeint sind Details wie wohl proportionierte Räder, eine riesige Motorhaube und eine Karosserie die Sicherheit vermittelt. Gut, das erwartet man natürlich auch von einer Oberklasselimousine.
Die Motorisierung sorgt dafür, dass der 7er schnell vom Fleck kommt. Aus dem Stand heraus wird hurtig losgespurtet und auch bei 160km/h passiert noch etwas, wenn man den rechten Fuß bewegt. Spektakulär sind die Fahrleistungen nicht, aber völlig ausreichend um souverän vorwärts zu kommen (vgl. dazu unseren Test zum Audi A7 3.0 TDI mit gleicher, subjektiver Fahrleistung). Eben so wie man es erwartet.

Das Fahrwerk ist vorbildlich und auch in der Sport+-Einstellung noch sehr komfortabel ohne schwammig zur wirken. Eben so wie man es erwartet. Ein Konglomerat vielfältiger elektronischer Assistenten versucht den Fahrer zu unterstützen. Spurwechsel-, Spurhalte-, Abstandsregel-, Nachtsicht-, Undsoweiterundsofort-Assistent. Sourround-View, SideView – der totale Überblick auf die Untertanen über den iDrive Bildschirm. Eben so wie man es erwartet.


Im Gegensatz zur internationalen “Konkurrenz” funktionieren die Assistenten auch, ohne dass sie den Fahrer sehr stören. Der Totwinkel-Assistent zeigt Objekte im toten Winkel, die Einparkhilfe zeigt wie man einparkt, die Klimaanlage kühlt ohne Zugluft, die Sitze sind bequem und lassen sich auf vielfältige Weise einstellen, dass es fast ein eigenes Handbuch dafür braucht. Ergonomie sehr gut, Bedienung logisch, iDrive bedarf wie erwartet ein wenig Übung, Schlüsselfreies Öffnen und Schließen des Fahrzeugs funktioniert intuitiv, usw. usf. Alles eben so wie man es erwartet.
Dank xDrive und Fahrwerk (das echte, nicht das elektronische) griff DSC nie ein. Was eine der wenigen Sachen war, die wir nicht erwartet hatten. Auf feuchter Strecke folgt der 7er willig jedweder Richtungsänderung und bleibt auch auf der Kreisbahn völlig ausgewogen, ohne dass die Elektronik sich aufgrund der zu bewegenden 2-Tonnen die Räder eckig bremst.

Kurzum: Der 7er ist ein Opfer seiner selbst. Der Ruf, der ihm voraus eilt, macht ihn berechenbar. Der McKinsey-Berater würde schmerzhaft feststellen: “Der 740d xDrive erfüllt alle möglichen Hygienefaktoren und bietet keinen einzigen Begeisterungsfaktor” (vgl. Kano-Modell). Wer sich für einen 7er entscheidet bekommt genau das, was er erwartet. Nicht mehr und vor allem nicht weniger. Das macht den Fahrer nicht unglücklich. Aber das begeistert auch niemanden. Der 7er hat sich diesen Ruf über Modellgenerationen hinweg erarbeitet und ist ein in jeder Hinsicht souveränes Fahrzeug. Aber definitiv kein spannendes.

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