Wer am dritten Tag der Mille Miglia einen entspannten Ausklang der Veranstaltung erwartet, täuscht sich gewaltig. An Tag drei steht auch 2011 wieder die Königsetappe von Rom zurück nach Brescia an. Mit über 600km an einem Tag, ist diese Etappe die Längste.
Wir starten morgens früh an unserem Hotel und planen die Fahrzeuge wieder kurz hinter den Stadttoren auf dem Weg nach Viterbo abzufangen. Der Plan geht auf, als auf der gewählten Ausfallstraße ein AC Ace an uns vorbeiknallt. Nach kurzer Begeisterungsphase schalten wir einen Gang runter und klemmen uns mit unserem BMW auf die mittlere Spur hinter den Ace. Zusammen geht es Richtung Viterbo.
Dort angekommen erwartet uns schon das erste Highlight der Etappe. Von den freundlichen Carabinieris werden wir mit dem Oldtimer durch die kleinen Gassen der alten Stadt geleitet. Wieder stehen an jeder Häuserecke Menschen, welche begeistert klatschen und ihre Kameras auf die Autos halten. Es geht durch Gassen, welche kaum breiter sind als das Auto selbst. An einer Art Lichtung, einem kleinem Platz steht ein Käfer welcher sich an einer im Boden versenkten Absperrung die Ölwanne aufgerissen hat. Wir helfen dem Fahrer professionell mit einer Küchenrolle aus und versuchen der Lage Herr zu werden
Nach Viterbo fahren wir schnell aber sicher in Richtung Toskana, in welcher sich die Oldtimer mit der wundervollen Landschaft um das Fotomotiv streiten. Wieder einmal lässt sich das Gefühl hinter den lauten und ebenso imposanten Autos die Hügel abzufahren kaum beschreiben. Der Spruch, Mittendrin statt nur dabei, gewinnt hier eindeutig eine neue Bedeutung. Während wir selber auf Landstraßen zwischen 100 und 120 km/h schnell sind, schießen weitere Autos an uns vorbei, 300SL, Porsche 550 Spyder oder gar ein Mercedes Benz SSK.
Wenig später ist schon die Stadtgrenze von Firenze erreicht, Florenz wie sich wieder zurück in Deutschland rausstellen sollte. Hier werden wir wieder vom fahrenden Museum getrennt, dieses darf direkt durch die Altstadt rollen. Wir müssen uns mit einer Umgebungsstraße zufrieden geben, treffen das Feld aber am anderen Ende der Stadt wieder.
Einer der bekanntesten Steckenabschnitte steht nun mit dem Futa-Pass sowie mit dem Raticosa-Pass direkt vor der Motorhaube. Damals wie heute ein beliebter Ort für Zuschauer, welche die Teilnehmer anfeuern. Die Pässe haben ohnehin fahrerisch ihren eigenen Reiz, mit abwechselnden Kurven und kleinen Geraden. Hinter Renn- und Sportwagen der 1930iger bis 1950iger Jahre ist das Erlebnis allerdings sicher.
Wieder zurück im zähfließenden Verkehr von Bologna könne wir unsere Temperatur ebenso kühlen, wie die unseres Autos. Wir lassen es ruhig angehen und genießen schlicht den Fakt bei einem der letzten Automobilen Abenteuern in Europa anwesend zu sein. Jedoch steht mit der Stadtdurchfahrt von Modena am frühen Abend ein weiteres Highlight auf dem Zettel. In der anbrechenden Dunkelheit geht es ein weiteres Mal auf dieser wundervollen Reise durch alte Gässchen und vorbei an typisch italienischen Stadthäusern. Ein kurzer Stau, wie sollte es anders sein, ist auch dabei.
Auf den letzten Kilometern von Cremona zurück, an den Start und Zielpunkt, nach Brescia ist das Asphaltband schnurgerade und erinnert uns daher stark an die Hunaudières in Le Mans. Dementsprechend sind auch die Geschwindigkeiten, bevor in Brescia mit einem Glas Champagner auf das Bezwingen der 1600km angestoßen werden darf.
Im Ziel auf der Viale Venezia ist das Abfallen der Anspannung bei einigen Teams deutlich zu spüren. Auch wir merken, dass wir uns in den letzten drei Tagen viel konzentrieren mussten und sind dementsprechend fertig für das Hotelbett. Allerdings dürfte das in keinem Verhältnis zu den Anstrengungen der Teilnehmer stehen, welche die Strecke in teilweise offenen Roadster ohne Windschutzscheibe oder halbwegs komfortablen Sitzen zurückgelegt haben. Chapeau und bis nächstes Jahr!












Trackbacks for this post