Vergangenen Samstag waren wir bei der Daimler AG in Stuttgart eingeladen. Die Chance nutzten wir um einen smart electric drive Probe zu fahren.
Dabei handelt es sich um einen jener smart ED, die teilweise im Vorfeld bei den Rennen der DTM eingesetzt werden bzw. wurden. Die Daimler AG fährt mehrere Pilotprojekte in europäischen Großstädten um Erfahrungen im Bereich der elektrischen Mobilität zu sammeln. Bereits seit 2008 sind mehrere smart electric drive in London im Einsatz. Dort erspart man sich durch die lokal emissionsfreie Fahrt nicht nur die Stadtmaut sondern auch Parkgebühren. In Berlin beispielsweise gibt es zur Zeit ein ähnliches Pilotprojekt: Dort konnten Stadt und ansässige Gewerbe einen smart ED für 700EUR/Monat bei wenigen tausend Kilometern Laufleistung im Jahr auf vier Jahre leasen. Ein sportlicher Preis, der vermutlich dennoch nicht die Herstellkosten der Fahrzeuge abdeckt. Auch wenn sich Daimler zu den Kosten des Akkumulators ausschweigt, so darf gut und gerne von 16.000EUR und mehr für Akku und Elektronikbauteile ausgegangen werden.
Der smart ED basiert im Prinzip auf dem smart fortwo. Motor und Getriebe befinden sich bei beiden im Heck. Beim smart ED surrt ein Elektromotor mit integriertem Getriebe und ca. 41 PS. Im vergleich zu seinen Verbrennerbrüdern leistet er stolze 120nm (Verbrenner: 89nm bis 130nm bzw. 147nm beim Brabus) Drehmoment – aus dem Stand heraus wohlgemerkt. Wer bereits einen Verbrenner-smart gefahren ist kennt die unspektakuläre bis langweilige Art sich mit diesem Gefährt fortzubewegen. Aufreger sind höchstens die ewig langen Schaltpausen bei denen man Gelegenheit hat sich gehörig am Kopf zu kratzen und sich zu fragen was “der Daimler” hier eigentlich verbrochen hat. Ganz anders beim smart ED: Dank Ein-Gang-Reduktionsgetriebe schaltet hier gar nichts. Der smart ED beschleunigt zwar ohne, dass es einem das Hirn aus den Ohren presst aber wenigstens stetig – an der Ampel fährt man anderen Verkehrsteilnehmern (und zwar jenen, die es nicht drauf anlegen) einfach davon. Die uns vorgegebene Strecke (Link: Streckenverlauf) führte über Landstraße, Steigungen bis 6%, Gefälle bis 9% und durch eine Ortschaft. Los ging es auf der Piazza des Standorts der Daimler AG im Süden Stuttgarts, genauer: In Stuttgart-Möhringen. Nach einigen ersten unglaubwürdigen Runden um das Fahrzeug herum bei denen das obligatorische Gucken unter den Tankdeckel natürlich nicht fehlen darf nahmen wir auf dem Fahrersitz, eher Hocker Platz und wurden kurz instruiert was wir zu beachten haben.
Und das war: Genau, fast nichts. Der smart ED sieht aus wie ein “normaler” smart, wären da nicht die besondere Lackierung und die grünen Felgen. Anders ist natürlich der Startvorgang des Motors: Man dreht den Zündschlüssel in der Mittelkonsole herum, diverse Kontrolleuchten leuchten auf aber sonst passiert nichts. Losfahren kann man dann trotzdem. Ein sanfter “Gas”stoß und der e-smart setzt sich fast geräuschlos in Bewegung. Das Gefühl lautlos loszufahren ruft tatsächlich so etwas wie Faszination hervor. Faszination, das ist immer Unsicherheit, die Vermengung von Zuneigung und Horror zum Beispiel, um einmal Max Goldt zu zitieren. Verlockung und Abgestoßensein. Vulkanausbrüche sind faszinierend, Hochstapelei, Heroin und illustre Diktatoren mit Blutdiamanten in der Gesäßtasche sind es ebenfalls. Dann, vor der Ausfahrtsschranke, der erste Kontakt mit dem Bremspedal. Es fühlt sich sehr hart an, anfangs schwer zu dosieren, künstlich aber dem eines Oldtimers nicht unähnlich.
Wir fahren von dem Werksgelände in den öffentlichen Verkehr hinein. Ziehen problemlos mit den anderen mit. Als wir gute fünf Minuten mit anderen Verkehrsteilnehmern hinter einem Bus ausharren müssen freuen wir uns insgeheim darüber weniger Energie zu verschwenden als die anderen. Auf dem Landstraßenstück folgt der erste destruktive Test indem wir bei Vollgas sämtliche elektrischen Verbraucher nebst Heckscheibenheizung aktivieren. Leider spüren wir davon gar nichts – keine Leistungseinbuße, nichts. Wenn man bei 41 PS überhaupt von Leistung sprechen darf. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Für 41 PS macht sich der smart ED wirklich gut. Seine auf 100km/h gedrosselte Höchstgeschwindigkeit sollten in der Stadt für das ein oder andere Bußgeld mehr als ausreichend sein und für wenige Überlandfahrten reicht das auch. Wir gestehen es nur ungern ein, aber selbst das automatische Aufladen der Batterie während Bergabfahrten und beim Bremsen machen so etwas wie Spaß, weil man das Gefühl hat durch die Naturgegebenheiten im Gegensatz zu den anderen zu profitieren, da diese im Gegensatz zu uns ihre Bremsscheiben abnutzen. Wir hingegen profitieren von Verkehrschaos und bremsen; jedenfalls ganze 135km lang. Danach muss der smart ED für acht Stunden an die Steckdose, bis seine Batterien wieder vollständig aufgeladen sind. Laut Pitt Moos, seines Zeichens Produkt Manager smart ED sei die Reichweite völlig ausreichend: Im Londoner Pilotprojekt fuhren die Teilnehmer im Schnitt 32 km am Tag (min. 16 km, max. 72 km). Auch im Gelände außerhalb eines urbanen Umfelds schlug sich der smart ED bei der Silvretta Classic in den Alpen erstaunlich gut (Link: Artikel). Wir glauben der smart hat in Ballungsräumen eine Chance, wäre da nicht der Preis. Warum wir an dieser Stelle kein Wort zur lokalen Emissionsfreiheit verlieren? Ganz einfach: Beim aktuellen Energiemix in Deutschland ist (fast) jeder Dieselmotor sauberer was die CO2-Emissionen betrifft. Von den Ladeverlusten mal ganz abgesehen. Der smart ED lädt so ineffizient, dass man übertragen auf den Tankvorgang eines Verbrennungsmotors während dem Tanken eines 55 Liter Tanks 18 Liter Kraftstoff verschütten würde. Thema Tankvorgang: Acht Stunden sind eine lange Zeit, aber in der Zeit kann man ja einfach mit einem anderen Auto ums Eck blasen. Der großen Schwester C63 AMG zum Beispiel.
















